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Touching from a distance. Laudatio.

Meine Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung ‚Touching from a distance‘ von Marcel Rauschkolb lässt eintauchen in eine feinsinnige, vielschichtige Welt der Fotografie, der ganz persönlichen Sichtweise des Lebens eines wunderbaren Künstlers hinter der Kamera und seinen damit eng verbundenen, individuellen Weg im Licht kreativer Ausdrucksformen (Rededauer 13 Minuten).


http://www.marcelrauschkolb.de

 

“Ich heiße Sie herzlich willkommen zur Ausstellungseröffnung von ‘Touching from a distance’ von Marcel Rauschkolb.

Was ist es, wo unser aller Sehnsucht wohnt… was wünschen wir uns… fernab von Geld, Haus, Karriere und Konsum?

Was ist es, übergeordnet, was uns anzieht an einem guten Gespräch, einem fantastischen Essen, einem leichtfüssigen Abend mit Freunden, einem tollen Film, einem spannenden Buch oder der Kunst…?

Sicherlich gäbe es nun eine Vielzahl an Antworten und Beweggründen, auf den ersten schnellen Blick, doch taucht man tiefer und tiefer, zur Essenz, so eint ein gemeinsamer Nenner alle Facetten menschlicher Sehnsucht: es ist die Sehnsucht nach Berührung. Berührung ist die Sprache der Liebe. Berührung ist es, die unsere Herzen öffnet und uns ins Fließen bringt, uns glücklich macht. Die Berührung unserer Herzen, unserer Herzenswünsche und Träume. Berührung ist es, die uns uns und das Leben fühlen lässt. Und die Berührung ist es, die unendliche Menschen-Geschichten zu erzählen vermag.

‘Touching from a distance’ ist nicht nur ein vortrefflicher Ausstellungsname. „Touching from a distance“ ist eine Art zu sehen, zu schöpfen, zu erschaffen, mehr noch… Es ist eine Art zu sein. Und die Erfüllung der eigenen Sehnsucht.

‘Touching from a distance’ beschreibt Marcels ganz persönliche, wundervolle Art, berührende Geschichten zu erzählen. Und auf jeden Fall hier auch erwähnt seine Frau Anja und ihre tolle Gabe, Dingen eine Form, Klarheit und Struktur zu geben und das, was dadurch entsteht mit viel Leben, Begeisterung und vor allem mit viel Herz zu füllen und in die Herzen der Menschen zu tragen. 

Für mich ist Marcel ein fotografischer Geschichtenerzähler. Und noch weit darüber hinaus. Und über all das möchte ich Euch jetzt erzählen. Aber bevor wir in die Poesie seiner Fotografien abtauchen, erzähle ich Euch ein wenig von Marcels Weg in der kreativen Welt und damit auch den Menschen dahinter. Dort ist Marcel für mich ein Entdecker, durch und durch, in dem ein unaufhörlich neugieriger Forschergeist steckt, was sich durch all sein Schaffen zum Ausdruck bringt.

Schon als junger Mensch, bevor er seine Lehre zum Werbe- und Industrie-Fotografen regelrecht absorbierte, was aus einem Praktikum entstand, sezierte Marcel voller Neugierde Plattencover, das handwerkliche Können dahinter, ihre Gestaltung, und wie aus einer Idee im Geiste mit fotografischer Technik, Licht, Schatten und Farbe eine kraftvolle Aussage in den Köpfen der Menschen emotional entzündet wird.

So war es nicht verwunderlich, dass er im Studio seines Praktikums hängen blieb, fasziniert von Technik, Scheinwerferlicht, Kameras mit eigener Geschichte und leckerem Design, unendlichen klangvollen KlickKlacks der Auslöser und von der Magie der handwerklichen Laborentwicklung… bis hin zur finalen, aussagekräftigen Momentaufnahme, die in aller Stille unendlich viel in Menschen auslösen kann, wenn man sein Handwerk unaufhörlich bis in die Meisterschaft verfolgt. Darin war es aber nie die klassische, kleine Fotostudio-Fotografie mit lieblich erinnernder Hochzeits- oder Familienfotografie. Es ging Marcel immer um das Mehr, um Bildtiefe und Erzähltiefe. Spontan aus dem Moment heraus oder nach präzisem Drehbuch. Es verwundert also nicht, dass ihn die eher dokumentarische Reportagen-Fotografie ebenso in ihren Bann zog wie ausdrucksstarke Porträt-Fotografie, die es schaffen, mit einer technisch versierten Aufnahme ein umfassendes Thema oder die Persönlichkeit eines Menschen punktgenau im Auge des Betrachters zu entfalten.

Und es ging Marcel auch immer um Mehr in seiner Schaffensbreite. So blickt er heute nicht nur auf 25 Jahre Fotografie als steter Wegbegleiter zurück, immer die Kamera in der Hand, sondern auch auf 20 Jahre Grafik mit dem Schwerpunkt Internet und mobile Apps. Aber auch das spannende Thema der Motorsport-Fotografie und  die allumfassende Buchkonzeption, inklusive Gestaltung und Druck, zieren seinen Weg ebenso wie z.B. die Mitarbeit am Design einer Uhren-Sonderedition für den bekannten deutschen Uhrenhersteller Sinn, die er auch fotografisch begleitete.

Über seinen Weg in seinen Worten gesagt (Zitat) „Am Ende verbindet sich alles: was ich lerne fließt ins andere ein. Die Fotografie schult den Blick für Details, die Arbeit für neue Medien bringt Wissen und Inspiration um neue Techniken und Publikationsmöglichkeiten. Dies alles zu verbinden ergibt unendliche Möglichkeiten – großartig!“

Und nun erzähle ich Euch von Marcels fotografischer Poesie, Marcel, dem Geschichtenerzähler. Seine fotografischen Geschichten sind keine vorgefertigten Geschichten in einem Geschichtenschrank. Es gibt keine Schubladen, sondern nur Türen. Türen, welchen man sich nicht verweigern kann, sie zu öffnen. Marcel eröffnet mit seiner Sprache der Fotografie Räume der Assoziationen. Er inspiriert uns, unsere eigenen Geschichten zu erzählen, in uns, in Begegnung mit uns selbst und unserem Leben. Aber auch mit unserem gegenüber, denn wir beginnen einzutauchen und gemeinsam zu rätseln, was wohl hinter den eingefangenen, meist menschlichen Momenten stecken mag. Er berührt in dokumentarisch-poetischer Weise unseren persönlichen, individuellen Erfahrungsschatz, unsere inneren Haltungen, unsere Sehnsüchte, unsere Liebe und Leidenschaft, unsere Träume und unsere eigene menschliche Neugier.

All das lässt ihn und damit uns einzigartige Geschichten erzählen, die wie das Leben, in unendlicher Natur sind. In steter Bewegung, in steter Veränderung. Aus dem Moment heraus aktuell und im nächsten Moment oder am anderen Tag schon wieder ganz anders, weil wir in uns anders sind. Es entsteht ein ewiger Fluss der Geschichten durch die Kontinuität der Veränderung, obwohl das Medium der Geschichte, die Fotografie, ein und die Selbe bleibt. Und so, wie unterschiedlichste Ebenen in uns selbst berührt werden, eröffnen Marcels Bilder ebenso vielschichtige Assoziationsebenen, Layer. Keine seiner Fotografien innerhalb der Ausstellung gibt sich mit nur einer Erfahrungs- noch Wahrnehmungsebene zufrieden. Keine. Wie in einer Collage sind die fotografischen Entdeckungsschichten feinsinnig ineinandergreifend und übereinander komponiert und ergeben im Gesamtgefüge, wie in einer Symphonie, ein bezauberndes Ganzes. Facettenreich und schier unendlich trägt uns seine assoziierte Komposition, inspiriert durch seine Symphonie der Bildsprache. Ein gekonnt künstlerisch-handwerkliches Zusammenspiel aus Farbe, Licht und Schatten, Geometrie und Linienführung, Harmonie und Spannung, Bildausschnitt und Kontrast.

Es ist ein Zusammenspiel zwischen Marcel und uns. Mit seinen und unseren Rhythmuswechseln und Akkorden, mit seinen und unseren Höhen und Tiefen, mit seinen und unseren Glanzpunkten und Schattierungen, Vordergründen und Hintergründen und mit seinen und unseren Solisten, Protagonisten und Antagonisten. Seine Bilder sind aus dem Leben gegriffen, sind Stilleben und Poesien des scheinbar Alltäglichen. Das, was oftmals im Vorübergehen in der Vielzahl der Eindrücke in unserer menschlichen Hast untergeht, erhält über Marcels dokumentarische Momentaufnahmen eine stille, vielschichtige und festhaltende Bühne. Die Hast in uns wird augenblicklich ausgebremst und in unserer Wahrnehmung breitet sich ein erzählender Geschichtenschatz aus. Auf diesem Wege wird aus dem Alltäglichen das Besondere und es entstehen bildliche Zeitzeugen wunderbarer Aussagekraft. Und meist ist es der zweite Blick, der uns diese Ebene mit einem großartigem Überraschungseffekt offenbart. Es ist der erste Blick, der uns hält und innehalten lässt und den Raum eröffnet für den zweiten, der dann die Geschichten wie ein glitzerndes Assoziations-Feuerwerk in uns aufblättert.

Marcel erschafft für mich außerordentliche Begegnung. Und stets geschieht das, was geschieht, auf indirektem Wege. In einem unglaublich geschützten Rahmen, der uns hält und beschenkt. Niemals unnötig laut. Niemals aufdringlich. Niemals übergriffig. Sondern mit einer besonderen Zartheit, sehr berührenden, zurückhaltenden Vorsicht, spielerischer Leichtigkeit und einem ganz besonderen Herz. Auf leisen distanzierten Sohlen und dadurch doch so unglaublich berührend und so nah. Durch die Linse im Fokus des Ausschnitts ebenso wie in der Begegnung mit uns.

So wünsche ich Euch nun zauberhafte Berührung und Begegnung mit Marcel und seiner fotografischen Kunst, begleitet von einem inneren Feuerwerk an Geschichten.”

Kunde:

Marcel Rauschkolb Photographie